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  • Pestizide im Trinkwasser – Ein Überblick

    Pestizide im Trinkwasser können zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen. Dabei handelt es sich um vorwiegend in der Landwirtschaft eingesetzten Pflanzenschutzmittel wie etwa das zuletzt in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierte Breitbandherbizid Glyphosat. Pestizide gibt es mittlerweile viele hunderte und jedes Jahr kommen weitere Neuentwicklungen hinzu.

    Besonders langsam abbauende Pestizide können über Auswaschungen des Ackerbodens in das Grundwasser und damit auch in das Trinkwasser gelangen. Um eine hohe Trinkwasserqualität sicherzustellen, bietet das Österreichische Umweltbundesamt einen Pestizid-Screeningtest von rund 600 Substanzen zu günstigen Konditionen für Gemeinden, Wasserversorger und Brunnenbetreiber an. Auch andere auf Toxologie spezialisierte Einrichtungen können Pestizide im Trinkwasser mit entsprechenden Tests leicht nachweisen.

    Eine 2014 von der Umweltorganisation Global 2000 zusammen mit dem Umweltbundesamt durchgeführte flächendeckende Analyse von Fließgewässern ergab eine regional teilweise alarmierend hohe Pestizidbelastung des Wassers. Wer in den betroffenen Gebieten wohnt, sollte sich mit dem Thema näher auseinandersetzen und sich über die Trinkwasserqualität am eigenen Wohnort genau informieren.

    Das Wichtigste über Pestizide im Trinkwasser

    • Pestizide kommen vor allem in der Landwirtschaft zur Unkraut- oder Schädlingsbekämpfung zum Einsatz.
    • In der EU dürfen nur zugelassene Pestizide verwendet werden.
    • Aktuell sind etwa 276 verschiedene Wirkstoffe europaweit zugelassen.
    • Gelangen Pestizide ins Trinkwasser, besteht ab bestimmten Konzentrationen Gesundheitsgefahr.
    • Besonders hormonell wirksame Pestizide sind für den Menschen als kritisch zu bewerten.

    Von einer allgemeinen bedenklichen Pestizidbelastung des Trinkwassers kann in Österreich keine Rede sein. Die Qualität des Trinkwassers ist in Österreich, insbesondere im internationalen Vergleich, sehr hoch. In den landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteten Regionen des Burgenlands und in der Gegend des niederösterreichischen Marchfeld gibt es aber laut Global 2000 teilweise alarmierend hohe Belastungen.

    So werden Pestizid-Grenzwerte bestimmt

    Biochemiker legen für einzelne Substanzen einen MTK-Wert für die maximal tolerierbaren Konzentrationen im Trinkwasser fest. Dieser basiert auf den für Menschen unbedenklichen Höchstmengen, die nach aktuellem Forschungsstand jeder Verbraucher und jede Verbraucherin täglich lebenslang ohne gesundheitliche Gefährdung aufnehmen könnte. Da Menschen nicht nur Trinkwasser sondern auch Nahrung zu sich nehmen, wird eine Mischkalkulation herangezogen. Nach Vorgaben der WHO darf im Normalfall etwa 20% der maximal erlaubten täglichen Pestizidaufnahme über Trinkwasser erfolgen. 80% entfallen auf den Verzehr anderer Lebensmittel.

    Je nachdem, welche Produkte man verzehrt, kann also eine bestimmte Pestizidbelastung im Trinkwasser individuell als kritisch oder unbedenklich angesehen werden. Da der einzelne Verbraucher aber keine Informationen über die Pestizidbelastung seiner Lebensmittel hat, ist generell Vorsicht angebracht. Dies gilt insbesondere für den Verzehr von exotischen Importprodukten und solchen aus der Intensivlandwirtschaft im europäischen Ausland.

    Die Glyphosat-Debatte

    In Bezug auf das Breitbandherbizid Glyphosat hat sich in den letzten Jahren eine heftige Debatte entwickelt. Sich teilweise wiedersprechende Studien über mögliche Gesundheitsgefahren haben das weltweit bedeutendste Unkrautvernichtungsmittel in Misskredit gebracht. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft Glyphosat als krebserregend ein. Andere relevante Behörden und Organisationen wie etwa EFSA, das BfR, der JMPR, die USEPA, Health Canada, und die ECHA wiedersprachen dieser Bewertung.

    Glyphosat kann vom Menschen sowohl über das Trinkwasser als auch über die Nahrung aufgenommen werden. Neben dem bislang nicht vollends geklärten Krebsverdacht, bestehen aber auch bei Glyphosat andere Gesundheitsrisiken ab bestimmten Konzentrationen. Dazu gehören mögliche Leber- und Nierenschäden, Missbildungen bei Föten und andere Folgeschäden.

    Deshalb ist auch Glyphosat mit einem Grenzwert in der Österreichischen Trinkwasserverordnung reglementiert. Analysen von Mikrobiologen deuten aber darauf hin, dass die Grenzwerte für Glyphosat und andere Substanzen als zu niedrig angesetzt sein könnten. Innerhalb einer Studie auf Glyphosat untersuchte Urinproben überschritten den für Menschen festgelegten Grenzwert um das fünf- bis zwanzigfache.

    Pestizide im Trinkwasser: Maßnahmen für eine geringere Aufnahme

    Durch ein paar konkrete Maßnahmen lässt sich die Aufnahme von Pestiziden im Einzelfall deutlich verringern. Was das Trinkwasser betrifft, bietet sich hier der Verzicht auf Leitungswasser als Trinkwasserquelle an oder die Installation einer Filteranlage. Da beides aber mit deutlichen Mehrkosten verbunden ist, ist vorab eine individuelle Analyse des eigenen Trinkwassers sinnvoll. Selbst wenn man in einer landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteten Region lebt, ist noch lange nicht gesagt, dass das eigene Leitungswasser zuhause tatsächlich belastet ist.

    Mit einem einmaligen Pestizidtest bekommt man schnell Klarheit. Dieser kostet beim Österreichischen Umweltbundesamt aktuell 371 Euro, ein Betrag der sich einmalig durchaus lohnt zu investieren. Bei dem Test werden 600 der am meisten verwendeten Pflanzenschutzmittel gescreent und für zehn ausgewählte Pestizide exakte Mengenangaben gemacht. Eine erhöhte Glyphosatbelastung oder erhöhte Werte anderer Pestizide lassen sich damit leicht identifizieren.

    Besteht beim eigenen Trinkwasser eine erhöhte Pestizidbelastung, kann man mit einer fest installierten Filteranlage leicht Abhilfe schaffen. Zur Auswahl stehen hier verschiedene Technologien, die aber nicht alle für Pestizide in Frage kommen. Mikrofilter mit einer Porengröße von 0,2 Mikrometern sind zwar gegen Bakterien wirksam, halten aber Pestizide nicht zurück. Mit Aktivkohlefiltern oder Umkehrosmosefiltern ist man aber gut gerüstet. Es gibt auch Kombigeräte, die mehrere verschiedene Filtertechniken miteinander kombinieren.

    Aufnahme von Pestiziden in Nahrungsmitteln reduzieren

    Da 80% der Aufnahme von Pestiziden aber nicht über das Trinkwasser erfolgt, sollte man vor allem auch beim Einkauf von Obst, Gemüse als auch von abgepackten Plantageprodukten ein wachsames Auge haben. Bei zertifizierten Bio-Produkten kann man relativ gut darauf vertrauen, dass sie nicht oder nur minimalst mit Pestiziden belastet sind. Aber gegen Null gehen auch hier die Werte selten. Bedingt ist dies meist durch Fremdeintrag angrenzender, nicht-ökologischer Anbauflächen und eine bereits bestehende Pestizidbelastung von Wasser.

    Nach Labor-Tests von Global 2000 ist vor allem südländisches Obst und Gemüse mit Pestiziden belastet. Im Jahr 2007 deckte die Organisation einen wahren Lebensmittelskandal auf. Bei den fünf größten heimischen Supermarktketten gekaufte Paprika waren demnach durchgehend massiv mit Pestiziden wie Cypermethrin, Procymidone und Iprodione belastet. Diese können krebserregend wirken und die Fruchtbarkeit, das Erbgut oder das Nervensystem schädigen.

    Als ebenfalls oft stark mit Pestiziden belastet gelten Tee und Kräuter. Besonders in der Kritik stehen hier Grüntees aus China, welche teilweise hohe Belastungen aufweisen. Welche Folgen alleine der Konsum von belastetem Tee haben kann, wurde etwa durch den 2015 bekanntgewordenen Fall eines 16-jährigen Mädchens deutlich, welches nach dreimonatigem intensivem Konsum an einer akuten Hepatitis erkrankte. Nachdem die Klinik nach einer Untersuchung der Essgewohnheiten den Tee-Konsum untersagte, verbesserten sich die Symptome in kürzester Zeit. Fairerweise ist in Bezug auf China-Grüntee aber auch darauf hinzuweisen, dass vor allem Billigprodukte von derart hohen Pestizidbelastungen betroffen sind.

    Durch konkrete Maßnahmen (Wasseranalyse, Filter, Verzicht auf belastete Lebensmittel) lässt sich die eigene Pestizidbelastung individuell sehr deutlich einschränken. Unsere Gesundheit ist ein hohes Gut. Es lohnt sich daher, sich mit dieser Thematik intensiv auseinanderzusetzen. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein Verdacht auf eine erhöhte Pestizidbelastung vorliegt.